Stadtmodell Lindlar
Ein Blick in die Geschichte
Die meisten Stadtmodelle dienen allein zur Veranschaulichung der Sehenswürdigkeiten. Schöne Altstädte mit markanten baulichen Denkmälern eignen sich wunderbar zur Umsetzung in einem Bronzemodell, dass von neugierigen Besuchern bestaunt werden kann und touristisch relevante Informationen liefert.
Doch nicht jede Gemeinde ist ein Touristenmagnet. Die Mehrzahl kleiner Städte und Dörfer bietet kaum Sehenswürdigkeiten auf den ersten Blick. Doch ein Stadtmodell kann noch viel mehr, als nur die Schönheit einer Stadt darzustellen. Stadtmodelle können auch Geschichte erlebbar machen, auch und gerade in Gemeinden, die auf den ersten Blick nicht glänzen und strahlen.
Dieses digitale Vorschaubild hat farbkodierte Einzelbereiche, die dem Kunden eine besonders leichte Prüfung der verschiedenen Modellbereiche ermöglicht.
Lindlar ist so eine Gemeinde. Ein kleines beschauliches Städtchen mitten im bergischen Land. Hier wird nicht mit Sehenswürdikeiten geprotzt. Eine kleine Ruine in der Nähe sowie ein eher schlichtes Lanschloss mit einem öffentlich zugänglichen Schlosspark sind die bemerkenswertesten Baudenkmäler, sicher einen Besuch wert, aber ein Stadtmodell?
Ja, denn Lindlars Geschichte ist stark mit dem Tagebau verbunden. Hier wird seit über 1000 Jahren Grauwacke abgebaut. Bis vor hundert Jahren war der Großteil der Bevölkerung Lindlars in den Abbau dieses Baumaterials involviert. Bis nach Köln und darüber hinaus exportierte man die Grauwacke, die 2023 sogar zum Gestein des Jahres gewählt wurde. Staumauern, Bahntrassen, Pflastersteine und vieles mehr wurde und wird mit Grauwacke gebaut.
Unsere Auftraggeber wünschten sich ein Stadtmodell, das insbesondere diesen Teil der Geschichte Lindlars wiederspiegelt. Und so haben wir nicht nur das nahegelegene Schloss, die Dorfkirche und ähnliche Gebäude durch detailreiche Modellierung hervorgehoben, sondern auch den Steinbruch, das Betriebsgelände der Basalt AG Linz und den alten Bahnhof nebst angedeutetem Streckenverlauf modelliert. Das gesamte Modell stellt Lindlar außerdem im Jahr 1900 dar und ist für Betrachter somit ein Fenster in die Vergangenheit des Ortes.
Finanziert wurde das Modell übrigens auf Spendenbasis, wie auch zahlreiche weitere Modelle und Skulpturen, die wir über die Jahre umsetzen durften. Gerade für kleine Gemeinden, Vereine und Privatpersonen ist dies eine Möglichkeit, vergleichbare Projekte umzusetzen und ihre Heimat zu verschönern.
Der fertige 3D-Druck des Stadtmodells
Der alte Grauwacke-Steinbruch in Lindlar, wie er um 1900 herum aussah.
Da einige der dargestellten Details nicht im Ortszentrum liegen, haben wir bei diesem Modell die Gestaltung angepasst. Der Ortskern ist topografisch realistisch mit seiner leichten Tal-Lage dargestellt. Doch die umliegenden Bereiche haben wir glatt gelassen, um sie visuell davon zu trennen. In diesen abgeflachten Arealen modellierten wir dann die weiter außen liegenden Objekte und veranschaulichten bei jedem mit einem Pfeil und einer Entfernungsangabe, wo im Verhältnis zum Kernort sich diese damals befanden. Diese Ausführung ist ein probates Mittel, um weitläufigere Darstellungen in Stadtmodellen vernünftig zu bündeln.
Das Schloss Heiligenhoven, das außerhalb des Kernortes liegt. Die Entfernungsangabe darunter zeigt dem Betrachter, wo es im Verhältnis zum dargestellten Kernort zu verorten ist.
All die detailiert modellierten Gebäude wurden dann in der Legende sowohl in Klarschrift als auch in Braille-Schrift für Menschen mit Sehbeeinträchtigung aufgeführt. Zusätzlich fügten wir den damaligen Straßenverlauf hinzu, sowie den Bachverlauf und einige weitere Details. Für alle Betrachter, die gerne noch mehr erfahren wollen, wurde schließlich ein QR-Code hinzugefügt, der auf zusätzliche Informationen im Web verlinkt.
Das fertig gegossene Stadtmodell Lindlars
Das Stadtmodell Lindlar ist somit ein gutes Beispiel dafür, dass nicht nur städtebauliche Perlen mit beeindruckenden Baudenkmälern und Altstädten sich für ein Stadtmodell eignen. Auch geschichtlich spannende Orte können in Bronze verewigt werden. Fast jede Gemeinde dürfte etwas zu erzählen haben, was in einem Stadtmodell wunderbar visualisiert werden kann. Und das schönste ist ja: So ein Bronzemodell ist unverwüstlich. Es wird im Laufe der Zeit selbst zu einem kleinen Baudenkmal werden, dass die Menschen von nah und fern gerne besuchen und bestaunen.


